Der Flamenco in Malaga

Flamenco ein Spiegelbild Andalusiens

Im spanischen bedeutet das Wort "Flamenco" Flämisch. Oder kann auch die Bezeichnung für einen Bewohner des flämischen (Flandern) Teils Belgiens und Hollands sein. Die Entstehung des Flamencos wurde durch historische Ereignisse, wie die 500-jährige arabische Herrschaft über das heutige Königreich Spanien sowie durch kulturelle und soziale Einflüsse z.B. die Besetzung Spaniens von Napoleon I., geprägt.

Der Flamenco war ein Sprachrohr, wodurch die arme Bevölkerung und Minderheiten Spaniens ihre Unzufriedenheit gegenüber den Herrschenden und Grossgrundbesitzern zum Ausdruck brachten. Da es nur sehr wenige aufschlussreiche historische Dokumente über den Flamenco vor dem 19.Jahrhundert gibt, entstanden viele Theorien über seine Herkunft. So ranken sich Legenden um eine Roma-Familie, die in den andalusischen Bergen lebte und Schutzbriefe des Königs von Flandern besass. Daher nannte man sie "Die Flamen" (Flamencos). Aufgrund dieser Theorie geht man davon aus, daß dieser Begriff auf alle priviligierten Romas zu dieser Zeit übertragen wurde. Durch die verschiedenen kulturellen Einflüsse, die in der Geschichte Andalusiens herrschten, geht man bei der Entstehung des Flamencos bis in die Römerzeit zurück. Lateinische Historiker berichten z.B. daß Tänzerinnen aus Gades, dem heutigen Cadiz, bei römischen Festen auftraten. Ihre rythmischen und sinnlichen Tänze wurden von Klappern begleitet, die den heutigen Kastagnetten ähnlich waren.

Der Ausdruck eines Lebensgefühls

Da fast alle Texte von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden, haben sie sich in ihrem Inhalt nicht geändert. Der Gesang kann melancholisch sein, bishin zur wilden Exstase. Es gibt eine breite Palette von Ausdrucksformen, die der Flamenco-Künstler zur Verfügung hat, um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dabei werden beim Flamenco-Tanz und Gesang im wahrsten Sinne des Wortes Geschichten erzählt. Diese können sich um unerfüllte Liebe, Leid oder eben um Alltagsgeschichten handeln. Der Flamenco ist nach wie vor ein Ausdruck über die Lebenseinstellung und Kultur der Spanier. So sieht man oft zur späten Stunde in den Tavernen und Bars, wie die Menschen singend ihre Alltagsgeschichten erzählen und die Zuhörer mit einem lauten Olé applaudieren. Oft wird dabei auch die Gitarre hervorgeholt und dann gibt es eben einen Sangeswettstreit. Absolute Perfektionisten sind die spanischen Romas. Da sie sich mit der Flamencokunst das tägliche Brot verdienten und es auch heute noch tun, entwickelten sie sich zu absoluten Meistern und verliehen dem Flamenco ein vollkommen neues Gesicht. Gerade in der Feria von Malaga und Sevilla sieht man in den Strassen, wie Romas aller Altersstufen tanzend und singend durch die Strassen ziehen. Es ist einfach faszinierend diesem Treiben zuzuschauen.

Das 19 Jhdt. und die Moderne

Erstmals eröffnete ein Flamenco-Cafe 1881 in Sevilla. Hier trafen sich alle zur damaligen Zeit berühmten Interpreten und traten im freundschaftlichen Vergleich gegeneinander an. Dabei mischten sich alle bis dahin bekannten Flamenco-Stile und wurden noch mehr stilisiert und erweitert. In allen grossen spanischen Städten findet man viele Cafes die Flamenco-Spektakel anbieten. 1989 veröffentlichte der bis dahin wenig bekannte Flamenco-Sänger El Camaron das Album "Soy Gitano" . Dieses Werk ging weltweit als dass meistverkaufteste Album in die Geschichte des Flamencos ein. Selbst Angehöriger der Roma, besang er in seinen Liedern deren Leid, Armut und Ausgegrenztheit in der Gesellschaft. Mit seinen Darbietungen traf er den Nerv der Zuschauer, egal welcher Herkunft sie waren. Bis heute sind seine Lieder legendär und sein Stil ist aus dem modernen Flamenco nicht mehr wegzudenken. 1992 starb El Camaron in Badalona an einer Lungenkrebserkrankung. Bekannte Flamencokünstler sind Jose Merce, der weltweit berühmte Tänzer Joaquin Cortes und Estrella Morente. Seit 2010 gehört der Flamenco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.