Die Figur eines Lanzenreiters Eines der bekanntesten Spektakel in Spanien ist der Stierkampf. Dieses Ereignis ist tief in der spanischen Kultur verwurzelt und hat eine jahrhundertealte Tradition. Dabei kämpft der Mensch gegen den Stier zu Fuss oder zu Pferd. Bei den Stieren handelt es sich um wahrlich wilde Tiere, denn sie haben in ihrer Lebenszeit, die etwa 5 Jahre dauert, keinerlei Kontakt zu Menschen. Sie leben in dieser Zeit auf einer riesigen Weide (Dehesa) und werden nur im äussersten Notfall mit Hilfe von weiblichen Rindern, denen sie folgen, von der Weide geholt. Beim Stierkampf sind mehrere Personen, unter ihnen der Torero, beteiligt, die einem, auf einem Regelwerk basierendem, traditionellen Protokoll folgen. Dieses Regelwerk fordert von den beteiligten Personen, insbesondere vom Torero, Ästhetik im Kampf gegen den Stier. Der Stierkampf ist in Spanien das älteste Massenspektakel und eines der ältesten weltweit. Der Kampf endet immer mit dem Tod des Tieres. Nur in den seltensten Fällen wird der Stier begnadigt und wird danach zur Zucht genutzt. Der Stierkampf wird ebenfalls in Portugal, Frankreich und in einigen lateinamerikanischen Ländern wie Mexiko, Kolumbien und Ecuador praktiziert.

Die Stierkämpfe werden wiederum in Klassen aufgeteilt. So spricht man bei einer Becerradas von einem Kampf mit einem Stierkalb. Bei einer Novillada handelt es sich um einen Kampf mit einem Stier der weniger als 350 Kilogramm wiegt. Stiere die bei einer professionellen Corrida (Kampf) in die Arena geführt werden, haben ein Mindestgewicht von 500 Kilogramm. Wird der Kampf gegen den Stier nur zu Pferd geführt, spricht man von Rejoneo (Der Kampf wird mit Lanzen geführt). Bei einer Corrida mixta (gemischter Kampf) wird der Kampf gegen den Stier zu Fuss oder Pferd geführt. Um ein berühmter Stierkämpfer zu werden, beginnen die meisten Jungmatadoren ihre Laufbahn in der Provinz. So verschaffen sie sich einen Sprung auf der Karriereleiter durch Erfolge bei Kämpfen in den Dörfern und bei kleineren Veranstaltungen. Hat der junge Stierkämpfer den Grad eines Matador de Novillos erreicht, bekommt er die Möglichkeit bei einer Grossverstaltung unter den Augen seines Meisters sich Ruhm und Anerkennung zu verschaffen. In der sogenannten Alternativa wird der Jungmatador oder Lehrling zum Matador ernannt. Bei dieser Zeremonie gibt der älteste Matador sein Recht auf, den ersten Stier zu töten. Dies wird symbolisiert, indem der Matador dem Matadorlehrling den Degen und das rote Tuch übergibt. Auch der letzte Stier muss vom Neu-Matador getötet werden.

Historik dieses Spektakels

Das Modell eines wilden Stieres Erste Beweise der Existenz von Stieren in Spanien vor 15000 Jahren fand man in Form von Wandmalereien in den Höhlen von Altamira (Kantabrien). Bei Ausgrabungen auf der Insel Kreta wurden Beweise gefunden, daß es bereits in der Antike Stierkämpfe gab und in der griechischen Mythologie spielt der Stier als Zeichen von Kraft und Fruchtbarkeit eine grosse Rolle. Auch gibt es Aufzeichnungen über Kämpfe mit wilden Tieren aus der Zeit der Arabischen Herrscher aus dem 10. Jahrhundert. Hier kann man davon ausgehen, daß es sich um Stierkämpfe gehandelt hat. Erstmals wurden Stierkämpfe in Spanien um 1215 in Segovia in historischen Urkunden erwähnt. Dabei wies der Bischof von Cuellar (Segovia) seine Priester an, unter der Drohung der Entlassung, daß sie sich nicht am Glücksspiel beteiligen oder einem Stierkampf beiwohnen dürfen. Im selben Zeitraum gab Alfons der X., König von Leon und Kastilien das Dekret heraus, daß Glücksspiele verboten sind. Damit kann man davon ausgehen, daß zu damaliger Zeit schon von einem professionellen Stierkampf die Rede war. So nannte man junge Männer, die durchs Land zogen und mit Stieren kämpften, um die Leute zu unterhalten "Matadores" oder "Toreadores". Die Phrase "torear a alguien" bedeutet mit jemanden spielen oder scherzen. Der Stierkampf war bis zum 18. Jahrhundert nur Adligen vorbehalten. So sass der Ritter (Adlige) zu Pferd, während sein Knappe den Stier mit abrupten Bewegungen ablenkte und dem Reiter die Waffen reichte. Die bekanntesten sind Ritter Don Quijote und sein Knecht Sancho Panza. Nach dem Aussterben des Feudaladels gewann das ländliche Volk immer mehr das Selbstbewusstsein mit Stieren zu kämpfen, woraus auch der moderne Stierkampf entstand. Ronda, eine im andalusischen Gebirge liegende Stadt, nimmt für sich in Anspruch der Geburtsort der heutigen Form des Stierkampfs zu sein.

Obwohl der Stierkampf in Spanien eine uralte Tradition hat, wurden Mitte des 18. Jahrhundert einige Änderungen im Regelwerk eingeführt, die bis heute gelten und den modernen Stierkampf ausmachen.

  1. So kämpft der Torero nicht mehr zu Pferd, sondern zu Fuss
  2. Der Torero muss nicht mehr der adligen Klasse angehören und wird für sein Auftreten bezahlt
  3. Es gibt spezielle Plätze für den Stierkampf (Stierkampfarenen)
  4. Es gibt ein Regelwerk für die Technik (bestimmte Figuren) und Ästhetik des Toreros während des Kampfes mit dem Stier
  5. Spezielle Zuchtfarmen für wilde Stiere entstehen

In der ersten Auflage im Regelwerk der "Tauromaquia" von 1796, warb der berühmte Stierkämpfer Pepe Hillo um die Vereinheitlichung der Regeln auf der ganzen iberischen Halbinsel. Diese Form hat sich letztlich durchgesetzt und wird heute als "Fiesta National" begangen.